Landschaftsentwicklung
Der zentrale Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe liegt in der Analyse und Rekonstruktion langfristig wirkender Mensch-Umwelt-Systeme, die mittels geomorphologischen, bodenkundlichen bzw. geoarchäologischen Methoden untersucht werden. Methodisch führen wir Feldkartierungen und Grabungen durch, werten historische und archäologische Daten aus, wenden verschiedene Datierungstechniken und Fernerkundungsdaten an und nutzen prozessbasierte Modelle zur Rekonstruktion und Quantifizierung der holozänen Landschaftsentwicklung. Diese Techniken erlauben detaillierte Einblicke in die Wirkungsweisen und Rückkopplungsmechanismen von endogenen und exogenen Faktoren (insbesondere Landnutzung und Klima) auf die Reliefentwicklung, Bodengenese und den Wasserhaushalt. Mit diesem holistischen Ansatz und der interdisziplinären Vorgehensweise werden wichtige Grundlagen für ein besseres Verständnis der komplexen Mensch-Umwelt-Beziehungen gewonnen. Die geographischen Schwerpunkte liegen in Europa und im Südosten der USA.
Auf diesen Arbeiten aufbauend, liegt ein weiterer Fokus der Arbeitsgruppe in der Entwicklung von klimatisch und ökologisch angepassten Landnutzungsstrategien. Vom besonderen Interesse sind hier prähistorische und historische Techniken, die auch heute einen Beitrag zur Minimierung von Umweltrisiken wie Bodenerosion, Hangrutschungen, Überschwemmungen, oder Biodiversitätsverlust liefern, Unterstützung bei der Entwicklung von Adaptionsstrategien bei klimatischen Veränderungen und Extremereignissen und einen Beitrag zur Stärkung der „Socio-Ecological Services“ bieten können. Darunter fallen z.B. bestimmte Bodennutzungs- oder Bewässerungsstrategien, die in früherer Zeit über einen langen Zeitraum sehr effektiv funktionierten. Die Analyse dieser Systeme und deren Transferierung auf heutige Systeme erfordert ein transdisziplinäres Arbeiten über alle Forschungsdisziplinen hinweg und ist eine zentrale Herausforderung für eine anwendungsorientierte Vergangenheitsforschung.